Osterbräuche in aller Welt: Mal lustig, mal skurril und manchmal auch gruselig

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29. März 2017

Eier färben, Nester aus Moos und Stöckchen bauen, auf den Osterhasen warten oder das Osterfeuer am Karsamstag-Abend besuchen … Diese Osterbräuche kennt in Deutschland eigentlich jeder. Auch die Schokohasen, die bereits seit Februar die Supermarktregale füllen, gehören für uns einfach dazu.

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Viele dieser Rituale sind christlicher Natur. Schließlich handelt es sich beim Osterfest als jährliche Feier der Auferstehung Jesu Christi um das älteste und höchste christliche Fest. So symbolisieren etwa Ostereier die Entstehung neuen Lebens, der Osterhase steht für Fruchtbarkeit und das Licht des Osterfeuers gilt sowohl als Sinnbild für die Auferstehung, als auch für den Frühlingsanfang, da das Feuer einem heidnischen Brauch nach die Sonne auf die Erde hinab zieht. Angelehnt an diese und weitere Symbole haben sich nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit allerlei – teils lustige und auch kuriose – Traditionen entwickelt, von denen wir Ihnen hier einige besonders interessante vorstellen möchten.

Osterhexen und Palmwedel-Schläge in Finnland

In Finnland vermischen sich westliche und östliche, christliche und heidnische Osterbräuche. So pflanzen die Kinder bereits Wochen vor den Feiertagen Ostergras in Schalen und stellen diese aufs Fensterbrett, um den Frühling herbei zu bitten. Am Palmsonntag besuchen die Finnen dann ihre Verwandten und Freunde und schlagen sich gegenseitig – nur ganz leicht natürlich – mit Ruten aus Weidenkätzchen- oder Birkenzweigen. Mit bunten Bändern und Federn geschmückt, erinnern diese an die Palmwedel, mit denen Jesus bei seiner Ankunft in Jerusalem begrüßt wurde. Ursprünglich war es ein orthodoxer Brauch aus Ostfinnland, heute ist er allerdings im ganzen Land beliebt und soll den „geschlagenen“ Menschen Glück bringen.

Zwischen Karfreitag und Ostern fliegen dann nach altem skandinavischem Glauben die Osterhexen, die einst mit großen, Furcht einflößenden Osterfeuern vertrieben wurden. Dieser Brauch wird auch heute noch zelebriert. Viele als Hexen verkleidete Kinder mit Kopftüchern, langen Nasen und verzierten Körbchen ziehen deshalb zur Osterzeit von Tür zu Tür, sagen Reime auf, drohen mit Rutenschlägen und lassen sich nur mit allerlei Süßigkeiten wieder vertreiben.

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Heringsbegräbnisse und riesige Schokoladeneier in Irland

Ein der skurrilsten Osterbräuche findet in vielen Ortschaften in Irland statt. Am Ostersonntag werden dort im Rahmen einer feierlichen Prozession auf einer Wiese kleine Gräber ausgehoben. In diesen Gräbern werden dann Heringe begraben, um das Ende der strengen Fastenzeit zu symbolisieren, in der Heringe traditionell als Hauptmahlzeit gelten. Außerdem hat sich in den vergangenen Jahren noch eine weitere, äußerst köstliche Tradition eingebürgert: das Verschenken riesiger Ostereier von bis zu 1.000 Gramm und meist prall gefüllt mit Pralinen und kleineren Schokoeiern.

Beuteltiere statt Osterhasen in Australien

Die Osterfestlichkeiten, die in Down Under im Spätsommer stattfinden, sind denen in Deutschland gar nicht unähnlich. „Good Friday“ und „Easter Monday“ sind Feiertage, die meist mit der Familie verbracht werden. Es wird zusammen gekocht oder gegrillt, der Gottesdienst besucht, Ausflüge gemacht und auch der „Easter Egg Hunt“ ist für australische Kinder ein ebenso großer Spaß wie für die deutschen. Allerdings gilt in Australien nicht der Osterhase als tierisches Symbol für das Fest, sondern der Bilby, ein kleines vom Aussterben bedrohtes Nagetier. Grund dafür ist die Unbeliebtheit des Kaninchens, das sich nach seiner Einschleppung aus Europa schnell zu einer solchen Plage entwickelte, dass einheimische Tier- und Pflanzenarten bedroht waren.

Das größte Oster-Spektakel des Landes findet in Sydney mit der jährlichen „Sydney Royal Easter Show“ statt. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird hier jeweils zwei Wochen lang im Olympic Park mit Shows, Ausstellungen, Paraden, Wettbewerben und einem Vergnügungspark das australische Leben gefeiert. Mehr als eine Million Menschen zieht es jedes Jahr dorthin.

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Kunstvolle Drachen und Straßenprozessionen auf Haiti

Auf Haiti werden an den Oster-Feiertagen keine Eier gesucht, hier steigen stattdessen kunstvolle Drachen in den Himmel. Schon Wochen vorher sammeln die Kinder Stöcke, Tüten und Bindfäden, um sich daraus fantasievolle und funktionstüchtige Flugobjekte zu basteln, die sie am Karfreitag mit Begeisterung in die Luft steigen lassen. Dies ist allerorts ein buntes und beeindruckendes Spektakel.

Ein gruseliger Osterbrauch dagegen sind die sogenannten „Oster-Raras“. Diese heidnischen Straßenprozessionen beginnen vor dem Haus eines „Houngans“, eines Zauberers, und sollen böse Dämonen herbeirufen, die dann „houngan-hörig“ gemacht werden. Die Menschenmenge zieht deshalb laut lärmend mit wilder, angsteinflößender Rara-Musik, Akrobatik und bunten Fahnen durch die Städte und übers Land. Erst am Ostersonntag wird dann mit einem Festmahl und – klimabedingt – flüssiger Schokolade gefeiert.

Osterschaukeln in Lettland

Im Baltikum wird das Osterfest mehr als Frühlingsfest, denn als hoher kirchlicher Feiertag gefeiert. Der Osterhase ist hier weitgehend unbekannt. Stattdessen zelebrieren etwa die Letten mit alten Bräuchen das Wiedererwachen der Natur. So soll es zum Beispiel Glück, Gesundheit und Schönheit bringen, sich an den Ostertagen in einem nach Osten fließenden Bach das Gesicht zu waschen. Und auch das Osterschaukeln gilt hier als Schutz versprechender Brauch, nämlich vor Mückenstichen, die es im baltischen Lettland in den Sommermonaten zu Genüge gibt. Ebenso sollen Vieh und Getreide dank des Schaukelns gut wachsen und gedeihen. Wichtig ist jedoch nach altem Glauben, dass die Schaukel danach verbrannt wird, damit sich die Hexen ihrer nicht bemächtigen.

Möbelkauf am Ostermontag in den Niederlanden

In Holland ist es Tradition, den Ostermontag in einem Möbelgeschäft zu verbringen. Egal ob Küchenladen, Bettengeschäft, Garten-Center oder klassisches Einrichtungshaus, an diesem Tag steht alles im Fokus, was die Menschen für Haus und Wohnung brauchen. Und das schon seit den 1980er- Jahren. Entwickelt hat sich der Brauch, da man an diesem Tag nichts wirklich Wichtiges zu tun hatte und somit endlich einmal in Ruhe einkaufen konnte. Die Alexandrium Mall in Rotterdam ist an diesem Tag besonders beliebt, bis zu 15.000 Menschen verbringen hier jährlich den Ostermontag.

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Außerdem sind die Niederlande bekannt für ihre großen Osterfeuer. 2012 wurde das Osterfeuer in Espelo sogar als größtes Osterfeuer der Welt ins Guinessbuch der Rekorde aufgenommen.

 

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