Die Zukunft der Handschrift (Auslaufmodell oder wichtiger Bestandteil unseres digitalen Lebens?)

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18. Januar 2019
Schönschreiben mit Handlettering.

Jedes Jahr am 23. Januar feiern wir den Internationalen Tag der Handschrift. Und das bereits seit 42 Jahren. Initiiert wurde der Tag 1977 in den USA von der Writing Instrument Association (WIMA). Und das Datum ist nicht zufällig gewählt: Es ist der Geburtstag von John Hancock, der in seiner Funktion als Präsident des Kontinentalkongresses am 4. Juli 1776 als Erster die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnete.

Wir nehmen den Jahrestag zum Anlass, um uns einmal genauer mit der Zukunft unserer Handschrift zu beschäftigen. Nachrichten über die Wichtigkeit der digitalen Entwicklung unserer deutschen Schulen, über die Absatzzahlen von Computern, E-Books & Co. oder das Wissen, dass das bildungsinnovative Finnland die Schreibschrift bereits aus den Klassenzimmern verbannt hat, verfolgen wir Tag für Tag in den Medien. Doch was bedeutet das für die gute, alte Handschrift? Eine Fähigkeit, die uns in jeder Lebenslage begleitet, für die wir weder Tablet noch Handy benötigen, sondern einfach einen Stift, einen Zettel und unseren Intellekt?

Stefanie Hanfstingl-Kariger, die gemeinsam mit ihrem Bruder Matthias Hanfstingl den den Grußkartenverlag Hanra führt, ist auch Vorsitzende der INITIATIVE SCHREIBEN e.V. . Der gemeinnützige Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, unsere Schreiblust und Schreibkompetenz zu fördern und das Kulturgut Handschrift erfolgreich in die Zukunft zu führen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Stefanie Hanfstingl-Kariger führt den Grußkartenverlag Hanra und ist auch Vorsitzende der Initiative Schreiben

Frau Hanfstingl-Kariger, ist unsere Handschrift bereit für die Zukunft?

Auf jeden Fall, denn sie hat im digitalen Zeitalter tatsächlich nichts an Popularität eingebüßt. Das mag zunächst vielleicht verwunderlich klingen, da für die meisten von uns die digitalen Medien und Möglichkeiten omnipräsent sind, doch eine von der Arbeitsgemeinschaft der Verleger und Hersteller von Glückwunschkarten in Auftrag gegebene Studie hat schon vor einigen Jahren bestätigt: Die Menschen empfinden tiefe Wertschätzung für die Handschrift. Das merken wir natürlich auch bei Hanra. Die Nachfrage nach von Hand geschriebenen Grußkarten ist ungebrochen groß. Und genau deshalb engagieren wir von der INITIATIVE SCHREIBEN uns für ihren Fortbestand.

Warum ist die Handschrift so bedeutend für uns und unser Leben in der Gesellschaft?

Weil sie so vieles in sich vereint. Sie ist Ausdruck unserer Persönlichkeit, denn jede Handschrift ist individuell und einzigartig. Zudem ist sie äußerst praktisch, da wir sie immer und überall dabei haben. Und sie drückt Wertschätzung aus. Einen handschriftlichen Brief oder eine Karte zu bekommen, bedeutet, da hat sich jemand Zeit für uns genommen, wir sind ihm also wichtig. Das empfinden selbst Jugendliche so, was auch der aktuelle Trend des Handletterings (besondere Art der Kalligraphie, bei der die Buchstaben besonders kunstvoll geschrieben werden) beweist.

Und dann gibt es natürlich noch viele weitere zentrale Faktoren: ihre Bedeutsamkeit für das Training unserer Feinmotorik und das Zusammenspiel unserer Gehirnhälften, ihre Relevanz für unsere Ausdrucksfähigkeit und Kreativität sowie für die Fähigkeit zu komplexem Denken. Nur auf einem Touchscreen herum zu tippen, genügt da einfach nicht.

Das Schreiben mit der Hand fördert die Feinmototik

Wie dürfen wir uns die Arbeit der INITIATIVE SCHREIBEN vorstellen?

Unser Hauptanliegen besteht darin, die Freude an der eigenen Handschrift zu fördern und die Handschrift wieder mehr in der Öffentlichkeit zu holen. Gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern organisieren wir deshalb regionale und bundesweite Aktionen. Des Weiteren bilden wir Interessierte zur Leitung von Schreibtreffs aus und haben auf unserer Facebook-Seite „Handschrift bist Du“ eine rege Community von Schreibfans.

Gibt es eine besondere Aktion zum Internationalen Tag der Handschrift?

Wir werden am Paderborner Gymnasium Schloss Neuhaus einen geführten Tag veranstalten, der Schülern, Lehrern und auch Eltern die Relevanz der Handschrift im digitalen Zeitalter unterhaltsam verdeutlicht.

Und welche wichtigen Projekte sind für 2019 noch geplant?

Unser Herzensprojekt ist die Lange Nacht des Schreibens, die wir in diesem Jahr zum dritten Mal organisieren. Sie findet am 27. Juni 2019 unter dem Motto „Im Dschungel der Buchstaben“ statt. Eine tolle Aktion bei der wir die Handschrift mit Kreativität verbinden und daraus individuell gestaltete Postkarten entstehen. Verschiedene Buchhandlungen, Papeterien und Bildungsinstitute in ganz Deutschland nehmen daran teil. Jeder kann mitmachen! Alle Informationen dazu gibt es auf unserer Website.

Folder für die dritte lange Nacht des Schreibens.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wer die INITIATIVE SCHREIBEN e.V. als Förder- oder ordentliches Mitglied unterstützen möchte, findet den Mitgliedsantrag unter www.initiative-schreiben.de.

Bilder: Titelbild und Bild 1: Canva (raxpixel, Pexels) / Bild 2: Stefanie Hanfstingl-Kariger / Bild 3: Pixabay (828911, free-photos) / Bild 4: Folder und Flyer der Initiative Schreiben zur 3. Langen Nacht des Schreibens.

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