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150 Jahre Postkarte: Eine Instanz feiert Geburtstag

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27. September 2019

Sehr alte Postkarte und eine alte Füllfeder.

© Canva| Anastasia Collection

Rechteckig, meist aus Karton und mit einer offen lesbaren Mitteilung – was auf Wikipedia nüchtern beschrieben wird, gilt als eines der zentralen Kommunikationsmittel des analogen Zeitalters: die Postkarte. Am 1. Oktober diesen Jahres feiert sie ihren 150. Geburtstag. Grund genug, sich ihre Geschichte mal ein bisschen genauer anzuschauen.

1. Die Entwicklung der Postkarte

Offen versendete Mitteilungen gab es bereits im 18. Jahrhundert, doch erst die Einführung der Briefmarke im Jahr 1840 in England legte den Grundstein für die Entwicklung des Postwesens und somit auch der Postkarte. In der Folge wurden in den Vereinigten Staaten die ersten privat gedruckten Karten und später auch die ersten offiziellen staatlichen Postkarten postalisch versandt, Gewicht und Versandkosten waren gesetzlich geregelt.

In Preußen gab es ab 1865 sogenannte kartenförmige Postanweisungen. Anfangs wurden diese „Drucksachenkarten“ jedoch nur selten privat verwendet. Stattdessen kündigten sie oft den Besuch eines Handelsvertreters an. Denn vor allem aufgrund der offenen Lesbarkeit beäugten Privatpersonen sie zunächst kritisch. Zudem fürchtete die Post Einnahmeeinbußen, da das Porto niedriger angesetzt war als bei einem Brief. Doch es dauerte nicht lange, da siegten der Nutzen und die Praktikabilität über die Skepsis.

Die Postkarte feiert 2019 ihren 150. Geburtstag.

© Pixabay | Zoltan Matuska

Als offizielle postamtliche Einführung gilt der 1. Oktober 1869. An diesem Tag erschien bei der österreichisch-ungarischen Post die sogenannte „Correspondenzkarte mit eingedrucktem Postwertzeichen“ und frei beschreibbarer Rückseite. Zwei Kreuzer kostete ihr Versand (ein Brief kostete fünf Kreuzer), was dem Wert der eingedruckten Marke entsprach.

Schon im ersten Monat verkaufte sie sich 1,4 Millionen Mal. Nur wenige Monate später zogen der norddeutsche Bund, Bayern, Baden und Württemberg mit der Einführung nach. 1872 wurde die Correspondenzkarte in Deutschland dann in Postkarte umbenannt, seit 1878 konnte sie auch international in die meisten Länder der Erde verschickt werden. Seitdem entwickelte sie sich kontinuierlich zum Massenkommunikationsmedium, dessen Attraktivität mit Aufkommen der Telekommunikation zwar wieder nachließ, jedoch seinen festen Platz im Postverkehr behielt.

2. Die Ansichtskarte

Neben der klassischen Postkarte ohne Aufdruck, entwickelte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts parallel dazu die Ansichtskarte, definiert als Postkarte mit Bilddruck auf der Rückseite. Die Weiterentwicklung der Druckverfahren, vor allem die sich stets verbessernden Möglichkeiten des mehrfarbigen und fotografischen Drucks, und auch der geringe Preis, zu dem Ansichtskarten in Schreibwaren- und Tabakläden verkauft wurden, ließen sie schnell immer beliebter für das private Versenden von Nachrichten werden. Schließlich war kaum ein Kommunikationsmittel so unkompliziert, praktisch und auch kostengünstig. Das Bild oder die Illustration auf der Rückseite erklärte meist bereits, wo der Absender sich befand, und auf der Vorderseite blieb links neben der Adresse genügend Platz für einen Gruß, eine Feldpost-Nachricht oder eine Notiz an Bekannte oder Verwandte.

Ansichtskarten, die in einem Kartenständer stecken.

© Canva| Jens Mahnke from Pexels

3. Die Postkarte heute

Natürlich hat die digitale Entwicklung ihre Auswirkungen auch auf den Versand von Postkarten. So transportierte die Deutsche Post 2018 noch rund 155 Millionen Exemplare (1998 = 399,5 Mio., 2006 = 225 Mio.). SMS, E-Mail und soziale Netzwerke sind unbestreitbar effizienter und schneller. Und das zeitnahe Teilhaben an den Aktivitäten anderer hat durch die technischen Möglichkeiten ja einen ganz anderen Stellenwert in unserem Leben bekommen. Informationen sind immer und überall zugänglich, da bleibt der Postkarte als Informationsmedium kaum eine Chance.

Ein Mann schreibt eine Postkarte auf der Lehne eines Sessels.

© Canva | Steve Mason from Photo Images

Und dennoch hat sie noch immer zahlreiche Anhänger, wie die Transportzahlen der Post beweisen. Vor allem als Urlaubsgruß, Humor- oder Sinnspruchkarte ist sie für Absender und Empfänger von besonderer Bedeutung. Da kann eine schnell versendete SMS nicht heranreichen. Die Kombination aus Optik, Haptik und dem handgeschriebenen Wort ist und bleibt etwas Einzigartiges und symbolisiert Wertschätzung.

Und schließlich ist eine Postkarte gerahmt, aufgestellt oder an einer Schnur mit weiteren Exemplaren aufgereiht einfach ein schönes Andenken mit Haltbarkeitswert.

4. Ausstellung „Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße“

Alte Postkarte vom Lago Maggiore.

© Museum für Kommunikation Berlin

Anlässlich des Jubiläums widmet das Museum für Kommunikation in Berlin der Postkarte noch bis zum 5. Januar 2020 eine Sonderausstellung. Gefeiert wird die Postkarte als wichtiges, prägendes, vielfältiges und originelles Medium. Anhand zahlreicher Beispiele werden etwa die Geschichte beleuchtet, die unterschiedlichen Kartenarten vorgestellt und auch Deutschlands meist verkaufte Postkarte gezeigt: Das Motiv „Robbe am Meer“ geht jährlich etwa 25.000 mal über den Ladentisch.

 

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